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Si-Fu und die Bundewehr…

Meine Eindrücke vom ersten Lehrgang.
Anfang März bekamen Sifu Christo, Sifu Lambros und ich die Chance, unseren Si-Fu beim ersten DVT-Nahkampflehrgang für Bundeswehrkräfte zu begleiten und ihm zu assistieren.

Genauer gesagt handelte es sich dabei um Kräfte einer Fallschirmjägerkompanie die der einem Bataillon der „Division spezielle Operationen“ des Heeres angehören.

Nach einem herzlichen Empfang durch Hauptmann F. und einer unruhigen Nacht in der Kasernenunterkunft (ab 04.30 Uhr begannen die Aktivitäten für die Soldaten in der Grundausbildung) startete Si-Fu mit dem Unterricht in der Sporthalle.

Die Blicke der Teilnehmer auf Si-Fu waren Anfangs einigermaßen skeptisch – vermutlich hatte mancher einen 2-Meter-Mann mit 110kg Kampfgewicht erwartet 🙂 .

Die Überraschung stand dem einen oder anderen regelrecht ins Gesicht geschrieben, als Si-Fu einfache DVT-Techniken vorführte und Faktoren wie Körperkraft oder -größe völlig unbedeutend wurden.

Um erst einmal einen halbwegs einheitlichen Standard unter den Teilnehmern herzustellen, begannen wir mit Basistechniken und grundsätzlichen Prinzipien des DVT.

Es zeigte sich, dass einige der Teilnehmer bereits über Kampfsport- bzw. Kampfkunsterfahrungen verfügten – diese jedoch gegenüber dem DVT relativ unbrauchbar erschienen.

Die meisten der Teilnehmer waren Si-Fu Tassos und uns Assistenten kräftemäßig überlegen, wodurch Si-Fu eindrucksvoll demonstrieren konnte, dass reine Muskelkraft allein nicht reicht, um im Kampf zu bestehen.

Eines der Ziele für diesen Lehrgang wurde also, den Teilnehmern beizubringen, wie eigene Körperkraft gezielt und konzentriert eingesetzt werden kann. Und noch besser: Si-Fu vermittelte die ersten Grundlagen, wie man die Kraft des Gegners ausnutzen und gegen ihn verwenden kann.

Das einfachste Beispiel dafür war der DVT-Fauststoß, denn je größer die Masse des Zieles, desto mehr Fauststoß-Power kann sich schädigend im Körper des Gegners entfalten.

Ich persönlich war sehr gespannt, was alles in dieser kurzen Zeit von 3,5 Tagen zu schaffen sein würde und wurde trotz absolut positiver Erwartungen vom Ergebnis überrascht.

Die Teilnehmer waren hochmotiviert und konzentriert bei der Sache – was nicht zuletzt auf die Tatsache zurückzuführen war, dass Si-Fu mal wieder die richtige Mischung aus Techniksequenzen, Theorie, Pausen und Anstrengungsphasen fand.

Es war deutlich zu merken, dass wir hier mit Menschen arbeiten, die kämpfen lernen wollen.

Als ich meinen Si-Fu vor dem Lehrgang fragte, welche Planungen er mit welchem Zeitansatz für welchen Lehrgangstag vorgesehen hat, antwortete er mir: „Ich passe mich an!“.

Eigentlich hätte ich diese Antwort erwarten müssen, weil „die Anpassung an die Gegebenheiten“ unseren Prinzipien des Kampfes entspricht und ich in den Jahren Unterricht und Lehrgängen erfahren durfte, wie intuitiv mein Si-Fu Defizite bei uns Schülern erkennen und gezielt darauf reagieren kann, um uns voran zu bringen.

Genau so lief das auch bei diesem Lehrgang – die Bedürfnisse der Teilnehmer ergaben sich ganz konkret während des Trainings und Si-Fu entwickelte daraus blitzschnell das passende DVT-Konzept.
Auf die technischen Inhalte dieses Lehrgangs möchte ich ganz bewusst nicht eingehen, weil mir eine „Bewertung“ meines Si-Fu’s selbstverständlich nicht zusteht.

Es war einfach perfekt und vor allem die Waffenanwendungen…. ich wollte doch nichts über die Techniken schreiben 🙂

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass alle Teilnehmer Spaß an der Sache hatten.

Neben dem DVT-Training ergaben sich für mich persönlich aus diesen gemeinsamen Tagen mit den Fallschirmjägern ganz neue Betrachtungsweisen hinsichtlich der Aufgaben unserer Bundeswehr und den Einsatzlagen die sich in Krisengebieten weltweit ergeben. Sieht man Berichte in den Medien, sind die Schauplätze meistens „weit weg“ und es betrifft nicht unbedingt persönlich. Nach diesen persönlichen Kontakten, denke ich anders darüber. 

Ich hoffe dass auch schon mit diesem „kompakten“ Nahkampflehrgang ein kleines Stück zur Sicherheit unserer Soldaten beigetragen wurde – sei es beim Einsatz in einem
Krisengebiet oder beim Einkaufen im heimischen Supermarkt. Letzteres soll kein Scherz sein, denn uns wurde von einem gezielten Messerangriff gegen einen uniformierten Soldaten berichtet, der nach einem Einkauf den Supermarkt verlassen wollte. Ein „Systemgegner“ (allgemein formuliert) war der Angreifer.

Als Si-Fu in die Runde fragte, wer wieder in den Auslandseinsatz fliegen wird, hoben fast alle Teilnehmer des Lehrganges die Hand. Ein befremdliches Gefühl – hoffen wir, dass alle gesund zurück kommen!

Ich bin sehr gespannt, wann und ob ein nächster Lehrgang dieser Art stattfinden wird. Das ein Bedarf vorhanden ist, steht für mich außer Frage. Ob es genug „Hauptmänner“ gibt, die sich für Fortbildungen dieser Art begeistern können, wird sich zeigen.

An dieser Stelle mein herzliches Dankeschön an Dich, Si-Fu! Dieser Lehrgang war natürlich auch für mich sehr aufschluss- und lehrreich und zudem eine Gelegenheit, Dich wieder ein Stück besser kennen zu lernen. Nach ca. 14 Jahren dachte ich Dich schon einigermaßen gut zu kennen – doch nun bin ich einfach nur noch gespannt, wie viele Seiten von Dir ich noch kennen lernen darf 🙂

Dein Schüler,
Olaf